Was ist das Ego?

Das Einfache ist keine Herausforderung für das menschliche Ego. Das Schwierige ist eine Herausforderung und das Unmögliche ist eine wirklich große Herausforderung. Die Größe des Egos, das ein Mensch anstrebt, lässt sich an der Herausforderung erkennen, die er annimmt; sie lässt sich an seinem Ehrgeiz ablesen. Aber das Einfache ist nicht attraktiv für das Ego; das Einfache ist der Tod des Egos. Und so entscheiden wir uns für das Komplizierte, selbst da, wo Kompliziertheit gar nicht angesagt ist, denn je komplizierter etwas ist, umso größer und stärker wird unser Ego. So gelangt es zu immer größerer Wichtigkeit - in der Politik, in der Religion, überall in der Gesellschaft. Die ganze Psychologie ist darauf aus, das Ego zu stärken. Selbst die Psychologen, diese Toren, behaupten: Man braucht ein starkes Ego! Darum ist die ganze Erziehung nur ein Programm, das mittels Strafe und Belohnung Ehrgeiz erzeugt, um dich in eine bestimmte Richtung zu drängen. Von Anfang an setzen deine Eltern viel zu große Hoffnungen in dich. Sie meinen, sie hätten vielleicht Alexander den Großen zur Welt gebracht und ihre Tochter sei nichts weniger als die reinkarnierte Kleopatra. Von Anfang an wirst du von deinen Eltern konditioniert: Du musst dich beweisen, sonst bist du nichts wert - ein Taugenichts. Ein einfacher Mensch gilt als Einfaltspinsel. Der einfache Mensch wurde bisher in der menschlichen Gesellschaft nicht als erstrebenswertes Ziel angesehen. Und der einfache Mensch kann auch gar nicht das Ziel sein, weil jeder schon von Geburt an einfach ist. Jedes Kind ist einfach, ein unbeschriebenes Blatt. Aber dann beginnen die Eltern, dieses leere Blatt mit allem, was es einmal werden soll, zu beschreiben. Und alle Lehrer und Priester und Führenden trichtern dir ständig ein: Aus dir muss etwas werden, sonst vergeudest du dein Leben!

 

In Wirklichkeit ist es genau andersherum. Du bist schon ein Wesen, ein Sein. Du brauchst nichts anderes zu werden. So ist Einfachheit zu verstehen: einfach zu sein und sich damit wohl zu fühlen und nicht auf das Geleise des Werdens zu geraten, das ins Endlose führt. Es gibt keine Stelle, an der du je das Gefühl haben könntest: »Jetzt ist meine Reise zu Ende. Ich bin am höchsten Gipfel angelangt, wo ich immer hinwollte.« In der ganzen Menschheitsgeschichte ist noch keiner an diesen Punkt gekommen, aus dem einfachen Grund, weil wir Menschen uns im Kreis bewegen. Irgendjemand ist einem immer in irgendetwas voraus. Selbst wenn man es schafft, Präsident von Amerika zu werden, fühlt man sich Muhammad Ali dem Großen unterlegen. Mit seinen Bärenkräften kann man sich nicht messen. Wenn Muhammad Ali dem Ronald Reagan eins auf die Nase gibt, liegt Ronald Reagan flach. Und selbst wenn es einem gelänge, Kanzler zu werden, würde man neben Albert Einstein wie ein Winzling aussehen - nicht wie der große Kanzler, sondern wie ein Zwerg. Das Leben hat viele Dimensionen; man kann unmöglich alle Richtungen verfolgen und überall der Erste sein. Das ist unmöglich; so funktioniert das Leben nicht. Das Ego ist die menschliche Krankheit. Die Machthaber wollen, dass ihr krank bleibt. Es liegt nicht in ihrem Interesse, dass ihr gesund und heil seid, denn gesund und heil seid ihr eine Gefahr für ihre Machtinteressen. Darum findet niemand es erstrebenswert, einfach zu sein. Niemand will ein Niemand sein. Aber das ist mein ganzes Anliegen: Du sollst dich gut fühlen, so wie du bist, und dein Wesen, dein inneres Sein akzeptieren. Werden ist Krankheit, Sein ist Gesundheit. Aber von dieser Erfahrung hast du noch nie geschmeckt - einfach, heil und ganz, gesund und glücklich zu sein!

 

Das hat dir die Gesellschaft nicht für eine Sekunde gestattet; darum kennst du nur die eine Art zu sein - als Ego. Man hat dir eingeimpft, du müsstest wie Jesus Christus werden. Und in manchen Kulturen haben sogar alle das Ziel, wie Gott zu werden. Was für eine irrsinnige Welt! Aus dieser ganzen Programmierung musst du aussteigen! Wenn du freudig, entspannt und in Frieden leben willst, wenn du dich an der Schönheit dieser Existenz erfreuen willst, musst du aus diesem falschen Ego aussteigen. Nur das will ich dir wegnehmen. Nur dieses Ego will ich dir nehmen, das ohnehin nur ein Fantasiegebilde ist. Es hat keine Wirklichkeit, darum kann ich dir eigentlich auch gar nichts wegnehmen. Und ich will dir dein Sein geben. Aber natürlich brauche ich es dir nicht zu geben - du hast es ja schon! Man muss dich nur ein bisschen schütteln, damit du aufwachst zur unbeschreiblichen Schönheit deiner Un- schuld. Es gibt nichts zu verlieren. Du rennst bloß hinter Schatten her, die du niemals einholen kannst, und darüber vergisst du die ganzen Schätze, die du in diese Welt mitgebracht hast. Bevor dein Ego zu seiner Erfüllung kommen kann, setzt der Tod einen Schlussstrich. Das Leben ist viel zu kurz, als dass du es mit einem so törichten Spiel wie dem Ego vergeuden solltest. Und es ist nur eine Frage des Verstehens.

 

 

Was ist das Ego?

Das Ego ist das genaue Gegenteil von deinem wahren Selbst. Das Ego, das bist nicht du. Das Ego ist eine Täuschung, die dir von der Gesellschaft gegeben wurde, damit du ein Spiel- zeug hast, das dich beschäftigt hält und dich nie nach der Wahrheit fragen lässt. Darum betone ich immer wieder: Ihr könnt erst erkennen, wer ihr wirklich seid, wenn ihr das Ego aufgebt. Als du geboren wurdest, hattest du noch dein authentisches Selbst. Aber dann hat man angefangen, ein falsches Selbst in dir zu erzeugen: »Du bist ein Christ, ein Katholik, ein Weißer, ein Deutscher! Du gehörst zu Gottes auserwähltem Volk! Du bist einer von denen, die über die Welt herrschen sollen!« - und so weiter und so fort. Man erzeugt in dir eine falsche Vorstellung davon, wer du bist. Man gibt dir einen Namen und mit diesem Namen verknüpft man Ehr- geiz und alle möglichen anderen Konditionierungen. Nach und nach, und darüber vergeht fast ein Drittel deines Lebens, wird so dein Ego aufgebaut: durch Schule, Kirche, Ausbildung, Universität. Und bis du dann endlich von der Universität kommst, hast du dein natürliches, unschuldiges Wesen völlig vergessen. Dann hast du dir ein überdimensionales Ego erworben, mit allen möglichen Titeln und Auszeichnungen, summa cum laude. Jetzt bist du bereit, in die Welt hinauszugehen. Dieses Ego enthält alle deine Wünsche und Ambitionen; es will bei allem immer an der Spitze sein. Dieses Ego beutet dich aus und gestattet dir nie auch nur einen flüchtigen Blick auf dein wahres, authentisches Selbst. Aber darin liegt dein wahres Leben, in deiner Echtheit.

So erzeugt dieses Ego nichts als Unglück und Leid, Kampf und Frustration, Geistesverwirrung, Selbstmord, Mord, alle möglichen Verbrechen. Wer die Wahrheit sucht, muss genau an diesem Punkt anfangen: Alles, was die Gesellschaft dir eingeredet hat, dass du seist - verwirf es! Das alles bist du mit Sicherheit nicht, denn außer dir kann niemand wissen, wer du bist - weder die Eltern noch die Lehrer noch die Priester. Außer dir hat niemand Zutritt zur Privatsphäre deines Wesens. Deshalb kann keiner wissen, wer du bist. Alles, was man dir über dich erzählt hat, ist falsch. Weise es von dir. Demontiere dieses ganze Ego! Und in- dem du das Ego auseinander nimmst, wirst du dein wahres Sein entdecken. Diese Entdeckung ist die großartigste Entdeckung überhaupt, denn damit beginnt eine völlig neue Pilgerreise - zur höchsten Seligkeit, zum ewigen Leben. Du kannst wählen: entweder Frustration, Leid, Unglück - dann halte an deinem Ego fest und gib ihm ständig Nahrung. Oder Frieden, Stille, Glückseligkeit - aber dafür musst du deine Unschuld wieder entdecken. 
as Kind wird ohne Ego geboren. Das Ego wird ihm erst von der Gesellschaft beigebracht, von der Religion, von seinem Kulturkreis. Vielleicht ist dir schon mal an kleinen Kindern aufgefallen - sie sagen nicht: »Ich habe Hunger.« Wenn das Kind Peter heißt, sagt es: »Peter hat Hunger.« »Peter muss aufs Klo.« Das Kind hat noch kein Gefühl von »Ich«. Es spricht von sich selbst in der dritten Person. Peter - so nennen es die Leute, also nennt es sich selbst auch Peter. Doch eines Tages, wenn es ein bisschen größer geworden ist, bringt man ihm bei: »Das ist nicht richtig! Peter - so sagen die anderen zu dir. Du musst aufhören, dich selbst Peter zu nennen. Du bist eine eigenständige Persönlichkeit; du musst lernen, >ich< zu sagen.« An dem Tag, an dem aus Peter »ich« wird, verliert er die
Wirklichkeit des Seins und stürzt in das abgrundtiefe, dunkle Loch einer Halluzination.

Sobald er anfängt, »ich« zu sagen, kommt eine völlig andere Energie ins Spiel. Von nun an will dieses Ich wachsen, will es groß werden, will es dies und das. Es will immer höher hinaus in der Welt der Hierarchien, will sein Territorium immer weiter ausdehnen. Wenn jemand ein größeres Ich hat als du, erzeugt es in dir einen Minderwertigkeitskomplex. Dann wirst du alles unternehmen, um besser, größer, wertvoller zu sein als der andere. Nun dreht sich alles in deinem Leben nur noch um diese eine törichte Sache, die in Wirklichkeit gar nicht existiert. Du wandelst auf einem Traumpfad. Nun wirst du immer so weitermachen und trachten, dass dein Ich größer und größer wird. Und daraus entstehen fast alle deine Probleme. Selbst Alexander der Große hatte enorme Probleme. Sein Ich wollte sich als Welteroberer sehen, und beinahe gelang es ihm auch, die Welt zu erobern. Ich sage »beinahe«, aus zwei Gründen: Erstens war damals die halbe Welt noch nicht bekannt, Amerika war noch unbekannt. Und zweitens kam er zwar bis Indien, konnte es aber nicht erobern; er musste an den Grenzen umkehren. Er war noch nicht alt, erst dreiunddreißig, doch diese dreiunddreißig Jahre waren ein einziges Kämpfen und Kämpfen und Kämpfen. Er war krank geworden und all des Kämpfens und Tötens, des Mordens und Hinschlachtens müde. Jetzt wollte er nach Hause zurückkehren und sich ausruhen, aber das war ihm nicht vergönnt. Er kam nicht mehr bis in seine Heimatstadt Athen. Einen Tag, bevor er Athen erreichte, starb er; Athen war nur noch eine Tagesreise entfernt. Nach der Erfahrung seines ganzen Lebens - immer reicher und größer, immer mächtiger und mächtiger zu wer- den - nun diese totale Hilflosigkeit zu erleben! Dass er nicht einmal in der Lage war, den Tod um vierundzwanzig Stunden hinauszuzögern! Er hatte seiner Mutter versprochen, wenn er die Welt erobert hätte, würde er zurückkommen und ihr die ganze Welt zu Füßen legen.

Das hatte noch kein Sohn für seine Mutter getan; was er vorhatte, war noch nie da gewesen! Doch nun, umringt von den allerbesten Ärzten, fühlte er seine Ohnmacht. Sie sagten ihm alle: »Du wirst es nicht über- leben. Diese vierundzwanzigstündige Reise wäre dein Ende! Es ist besser, du ruhst dich hier aus, dann hast du vielleicht eine Chance. Aber du solltest nicht weiterziehen. Und selbst wenn du hier bleibst, haben wir nicht allzu viel Hoffnung - du bist ein Ertrinkender. Du kommst immer näher - aber nicht der Heimat, sondern dem Tod, nicht der Heimat, sondern dem Grab. Und wir können überhaupt nichts tun. Krankheiten können wir heilen, aber den Tod können wir nicht heilen. Und es ist keine Krankheit; du bist wie ausgebrannt. In diesen dreiunddreißig Jahren hast du deine ganze Lebensenergie aufgebraucht im Kampf gegen dieses und jenes Volk. Du hast dein Leben verschwendet. Es ist keine Krankheit. Du hast nur deine Lebensenergie verausgabt, sinnlos verausgabt.« Alexander war ein intelligenter Mensch, Schüler des großen Logikers und Philosophen Aristoteles, der sein Privatlehrer war. Und er starb, bevor er die Hauptstadt erreichte. Bevor er starb, sagte er zu seinem Feldmarschall: »Dies ist mein letzter Wunsch, und ihr müsst ihn mir erfüllen.« Was war sein letzter Wunsch? Ein sonderbarer Wunsch. Er laute- te: »Wenn mein Sarg zu Grabe getragen wird, lasst meine Hände aus dem Sarg heraushängen.« Sein Feldmarschall sagte: »Was soll das für ein Wunsch sein? Man lässt die Hände immer im Sarg. Wer hätte je da- von gehört, dass man einen Sarg zu Grabe trug, bei dem die Hände heraushingen!« Alexander sagte: »Mein Atem reicht nicht mehr, es dir zu erklären, also kurz: Ich will der Welt zeigen, dass ich mit leeren Händen gehe. Ich hatte erwartet, immer größer und größer, reicher und reicher zu werden, aber tatsächlich wurde ich immer ärmer und ärmer. Als ich geboren wurde, kam ich mit geschlossenen Fäusten, als hielte ich etwas fest.

Aber im Angesicht des Todes kann ich nicht mit geschlossenen Fäusten gehen.« Für geschlossene Fäuste braucht man Leben, Energie. Kein Mensch stirbt je mit geschlossenen Fäusten. Wer ist da, um sie zu schließen? Ein Toter ist nicht mehr da. Die ganze Energie hat ihn verlassen, und die Hände öffnen sich von selbst. »Lass es alle wissen: Alexander der Große stirbt mit leeren Händen wie ein Bettler.«
Soviel ich sehen kann, hat niemand etwas daraus gelernt. Die Menschen, die nach Alexander gekommen sind, haben es genauso gemacht wie er, auf ihre Weise. Das Ego des Menschen ist der Ursprung all seiner Probleme, aller Kriege, aller Konflikte, aller Eifersucht und allen Neides, aller Ängste und Depressionen. Sich selbst als Versager zu fühlen und sich ständig mit anderen zu vergleichen - das schmerzt jeden. Und es tut furchtbar weh, denn du kannst nicht alles haben. Jemand ist schöner als du - das tut weh. Jemand hat mehr Geld als du - das tut weh. Jemand hat mehr Wissen als du - das tut weh. Da gibt es Millionen Dinge, die dir wehtun. Aber du erkennst nie, dass es gar nicht diese Dinge sind, die dir wehtun - denn mir tun diese Dinge nicht weh. Dir tun sie weh wegen deines Egos. Das Ego zittert ständig vor Angst, weil es ganz genau weiß, dass es bloß ein Kunstprodukt ist - ein künstlich geschaffenes Mittel der Gesellschaft, dich auf Trab zu halten und dich hinter Schatten herlaufen zu lassen. Dieses Spiel des Egos, immer höher und höher hinauszugelangen, ist Politik. Das Ego und all seine Spiele ... Die Ehe ist ein solches Spiel, Geld ist ein Spiel, Macht ist ein Spiel. All diese Spiele sind Egospiele. Die ganze Gesellschaft hat bisher immer nur diese Spiele gespielt; auf der ganzen Welt spielt sich ein ständiger olympischer Wettkampf ab.

Alle erkämpfen sich ihren Weg nach oben, und jeder versucht, dem anderen ein Bein zu stellen, denn auf dem Gipfel des Mount Everest ist nicht genug Platz für alle. Es ist ein halsbrecherisches Wettrennen. Und es wird von solcher Wichtigkeit für dich, dass du total vergisst, dass dir dieses Ego von der Gesellschaft, von all deinen Lehrmeistern eingeimpft wurde. Von der Krabbelstube bis zur Universität sind alle fortwährend damit beschäftigt, dein Ego zu stärken! Und je mehr Titel du deinem Namen voranstellen kannst, umso größer und bedeutender und wichtiger fühlst du dich. Das Ego ist die größte Lüge. Aber du hast sie als Wahrheit akzeptiert. Doch das liegt ganz im Interesse derjenigen, die an der Macht sind, denn wenn sich jeder bewusst würde, dass er auch ohne Ego sein kann, würde dieses olympische Gerangel auf der ganzen Welt zum Stillstand kommen. Dann würde niemand mehr den Mount Everest bezwingen wollen; je- der wäre mit dem Platz zufrieden, an dem er sich befindet. Und die Menschen würden sich freuen. Das Ego hält dich auf Warteposition: Ja, morgen, wenn du erfolgreich bist, wirst du dich freuen! Aber jetzt musst du natürlich erst leiden, du musst ein Opfer bringen. Wenn du morgen Erfolg haben willst, musst du heute dafür Opfer bringen. Du musst dir den Erfolg erst verdienen. Und dafür bist du zu allen möglichen Verrenkungen bereit. Es ist nur eine Frage einer kurzen Zeit des Leidens, und dann wirst du jubilieren. Aber das Morgen trifft nie ein; es ist noch nie ein- getroffen. Morgen bedeutet nichts anderes als das, was nie eintrifft. Es bedeutet, das Leben aufzuschieben. Es ist eine fantastische Strategie, um dein Leiden fortzusetzen. Das Ego kann sich nicht in der Gegenwart freuen. Es kann überhaupt nicht in der Gegenwart existieren; es kann nur in der Zukunft, in der Vergangenheit existieren - in dem, was nicht ist. Die Vergangenheit ist nicht mehr, die Zukunft ist noch nicht. Beides existiert nicht. Das Ego kann nur in dem existieren, was nicht existiert, weil es selbst nicht existiert.

Im reinen Augenblick der Gegenwart wirst du kein Ego in dir finden - nur eine stille Freude, ein stilles, reines Nichts.
Die Vorstellung, ein eigenes Zentrum zu haben, ist die Wurzel des Egos. Wenn ein Kind auf die Welt kommt, hat es noch kein eigenes Zentrum. Während der neun Monate im Bauch der Mutter ist das Zentrum der Mutter auch das Zentrum des Kindes; es funktioniert noch nicht getrennt. Dann wird das Kind geboren. Nun wird es zweckmäßig, sich als eigenes Zentrum zu begreifen, weil das Leben sonst sehr schwierig wäre, nahezu unmöglich. Um zu überleben und im Lebenskampf bestehen zu können, braucht jeder Mensch eine gewisse Vorstellung, wer er ist. Aber niemand hat eine Vorstellung und tatsächlich kann auch niemand eine Vorstellung davon haben - denn im innersten Wesenskern bist du ein Mysterium. Du kannst keine Vorstellung davon haben. In deinem tiefsten, innersten Wesenskern bist du nicht individuell; dort bist du universell. Wenn man daher Buddha fragt: »Wer bist du?«, wird er schweigen und nicht antworten. Er kann darauf keine Antwort geben, weil er nicht mehr getrennt ist. Er ist das Ganze geworden. Doch im alltäglichen Leben muss auch Buddha das Wort »ich« gebrauchen. Wenn er durstig ist, wird er sagen: »Ich bin durstig. Bringe mir Wasser, Ananda, ich habe Durst.« Er wird weiter das alte, sinnvolle Wörtchen »ich« gebrauchen. Es ist durchaus sinnvoll - zwar bloß eine Fiktion, aber trotzdem sinnvoll. Doch viele Fiktionen sind sinnvoll. Zum Beispiel dein Name. Auch er ist eine Fiktion. Du bist ohne Namen auf die Welt gekommen, hast keinen Namen mitgebracht; deinen Namen hat man dir erst gegeben. Und durch die ständige Wiederholung fängst du an, dich mit ihm zu identifizieren. Aber es ist eine Fiktion. Doch wenn ich sage, es ist eine Fiktion, meine ich nicht, dass es unnötig sei.
 

 

Ego

Das Buch vom Ego - Von der Illusion zur Freiheit

'Eine starke, zielbewusste und erfolgreiche Persönlichkeit gilt in unserer Welt als erstrebenswertes Ziel. Doch dabei wird ein falsches Selbst aufgebaut, die wahre Individualität und das ursprüngliche Wesen werden unterdrückt. Geld, Macht, Ruhm, Status, Luxus, sexuelle Ausschweifung und Konsum werden zum Ersatz für unsere wahren inneren Bedürfnisse nach Liebe und Nähe, Lebendigkeit und Kreativität. Osho zeigt den Weg zur Befreiung aus den Illusionen der Persönlichkeit durch Meditation, Bewusstheit und Liebe. Zum Buch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Marion: Ich lese momentan das Buch vom Ego wieder. Da wir in immer schneller werdenden Zeiten leben, wo man manchmal nicht mehr weis, was grad in einem passiert, da ist es für mich ziemlich nützlich und stützend, wieder erinnert zu werden, was es ist, das uns immerzu leiden läßt. Das uns immerzu in Sorgen stößt, in Zweifel und Probleme. Kaum jemand weis um das Ego. Die meisten meinen, das Ego würde die "Ellenbogen" eines ehrgeizigen Menschen beschreiben. Weit gefehlt, das Ego ist ein viel, viel feinerer Mechanismus in uns. Ihn zu kennen, bedeutet Freiheit :-) Höheres Wissen über das Ego zu erhalten, bedeutet Balsam für die Seele. Was wir alle im Moment gut gebrauchen können :-)

4. Juli 2018
 

 

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