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Erleuchtung
ist jedes Erlebnis einer Erweiterung unseres Bewusstseins über
seine momentane Begrenzungen hinaus. Wir könnten auch sagen:
Vollendete Erleuchtung heisst, erkennen, dass wir überhaupt
keine Beschränkungen haben und dass das ganze Universum lebt.
Die Schwierigkeit, über diese Dinge zu schreiben, und das
Problem bei allen Bemühungen, davon zu sprechen, wie man sie
erreichen kann, kommt daher, dass wir versuchen, mit begrenzten
Begriffen vom Überschreiten der Grenzen zu sprechen. Erleuchtet
zu sein, heisst, in einem Zustand beweglichen Gewahrseins zu
sein, nicht die Ankunft auf einer anderen Ebene mit anderen,
neuen Grenzen.
Eine richtige Art und Weise, wie man "nach" der Erleuchtung das
Leben zu betrachten habe, gibt es nicht. Wir sind nicht
verpflichtet, irgendetwas zu sein oder nicht zu sein, solange
wir in unserem Fühlen und Denken ganz sind.
Was bedeutet das, "ganz sein"? Es heisst, dass wir bereit sein
müssen, das aufzunehmen, das in uns enthalten ist, was immer
"gerade anders" ist, als jede begrenzte Idee. Es bedeutet zu
wissen, dass, wenn wir ein Positivum betonen, wir gleichzeitig
ein Negativum erschaffen. Wenn wir das Wissen zum Ideal erheben,
müssen wir uns mit der Unwissenheit herumschlagen, die gerade
anders ist, als das Wissen.
Wenn wir das Ideal der Heiligkeit hervorheben, müssen wir mit
der Sünde leben, die ihre Gefährtin ist, und unsere
Verantwortung dafür, sie geschaffen zu haben, akzeptieren. Wenn
wir das zu tun ablehnen, bedeutet das eine Zusammenziehung
unseres Gewahrseins; wir werden dicht, werden Wesenheiten auf
der Masse-Ebene, werden in physische Körper inkarniert. Und wir
können das, was wir zu erschaffen abgelehnt haben, nicht
beherrschen; es wird unserer Aufmerksamkeit aufgezwungen, ob wir
das mögen oder nicht, und so leben wir in einer Welt der Sünde
und Unwissenheit.
Wenn wir jedoch dauernd offen und widerstandslos gegenüber
solchen Negativa bleiben, sind wir nicht gezwungen, lange mit
ihnen zu leben: Wenn wir zugeben, dass Hässlichkeit immer in uns
steckt, sind wir frei, Schönheit zu erschaffen. Wenn wir wissen,
dass Dummheit immer in uns steckt, sind wir frei, der Einsicht
den Vorzug zu geben. Liebe ist deshalb die höchste und heiligste
Handlung, weil sie immer das in sich enthält, was nicht Liebe
ist, sie ist immer und ewig in Bewegung, um das Nichtliebende
einzuschliessen. Wie oft versuchen wir, in unseren Erfahrungen
eine Ursache-Wirkung-Kette zu finden, wenn das, was tatsächlich
geschieht, nur das Hin-und-Herschwingen sich wandelnder
Voraussetzungen ist. Wir mögen etwa eine negative Aufgabe
wählen, wie zum Beispiel klösterliche Disziplin, und uns dadurch
bereichert fühlen. Oder umgekehrt gehen wir vielleicht einem
verführerischen Vergnügen nach und fühlen uns dann betrogen. Nie
aber nehmen wir einmal etwas Abstand, um sehen zu können, dass
wir nur wie Pendel hin und her schwingen. Viele unter uns
beharren darauf, sich uns nur als freundlich, gut und weise
vorzustellen: Wir versuchen, Pendel zu sein, die bloß auf eine
Seite schwingen.
Das Heilmittel gegen solche wirren Vorstellungen besteht darin,
zu lieben: das Leben ohne intellektuellen Widerstand zu erleben,
bis wir über die Masse- und Energie-Ebene zur Raum-Ebene
aufgestiegen sind. Auf dieser Ebene, wo die Liebe beständig und
unser Gewahrsein geöffnet ist, werden wir das Wunder leichter
verstehen, wie es möglich ist, Widersprüche, Gegensätze und
Paradoxien in sich zu enthalten. Wir werden frei sein, das zu
erfahren, was wir wünschen, weil wir es nicht ablehnen, dass wir
immer alles das ebenfalls erhalten, was gerade anders ist, als
das, was wir gewählt haben. Karma heisst nicht, genau "für das
bezahlen", was man in der Vergangenheit getan hat. Es kann Dir
nur passieren, dass Du, wenn Du Deine Schwingungsebene erhöhst,
auf die gleiche Art von Erfahrungen stossen kannst, vor denen Du
Dich in der Vergangenheit gedrückt hast, oder Du triffst auf
irgendetwas, das gerade anders ist als das, worauf Du Dich eben
konzentrierst. Wenn Du versuchst Dich zu verschliessen, wirst Du
auf eine tiefere Schwingungsebene zurückfallen. Aber wenn Du
unerwünschten Ereignissen ruhig entgegensiehst, sie in Gedanken
aufnimmst und Dich dafür liebst, dass Du sie nicht magst, dann
wirst Du weiter aufsteigen. Man könnte sagen, dass Du eine
zeitlang Deinen schlechten Trip zusammen mit Deinen Highs
annehmen musst.
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