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1. Die
GAIA-Hypothese von Jim E. Lovelock
Lovelock stellt fest: Wenn man die Kriterien, durch die sich Lebewesen
von unbelebter Materie unterscheiden, auf den Planeten Erde anwendet,
zeigt es sich, dass die Erde unter die Kategorie „Lebewesen“ fällt. Die
Erde hat sich z. B. eine Biosphäre geschaffen, welche Temperatur und
Zusammensetzung der Erdatmosphäre genau reguliert, so wie Lebewesen
Köpertemperatur und Stoffwechsel regulieren. Die Erde ist ein
selbstorganisierendes System.
2. Die
Global-Brain-Theorie von Peter Russell
Aufbauend auf Lovelocks Gaia-Hypothese sagt Russel: Das Leben schreitet
von einfachen zu immer komplexeren Formen fort. Die Strukturen werden
immer differenzierter und die Einzelteile sind immer mehr miteinander
verbunden und organisiert. Der vorläufige Höhepunkt dieser sich immer
mehr beschleunigenden Entwicklung ist der Mensch und die menschliche
Zivilisation. Die Entwicklung geht aber nicht mit gleichbleibend
beschleunigtem Tempo voran, sondern es gibt Evolutionssprünge. Die
Menschheit befindet sich zur Zeit in einem solchen Evolutionssprung: Das Informationsszeitalter ist angebrochen, das letztlich dazu führen wird,
dass der Planet Erde mit einem globalen Gehirn ausgestattet ist. Die
Gedanken Teilhard de Chardins aufgreifend, dass die Menschheit auf dem
Weg zur Vereinigung der gesamten Spezies zu einer einzigen Gruppe mit
interaktivem Denken ist, erwartet Russel, dass sich die Menschen zu
einem „globalen sozialen Superorganismus“ zusammenschließen und ein
integriertes planetares Bewußtsein entwickeln. Dies wird nach seiner
Ansicht dann eintreten, wenn sich die Erdbevölkerung bei etwa 10
Milliarden Menschen stabilisiert hat.
Aus der integrierten geistigen Interaktion von Milliarden bewusster
Wesen soll nach Russel ein planetares Bewußtseinsfeld entstehen, das
GAIA-Feld. Dadurch wird der Planet Erde erwachen und zu einem planetaren
Bewußtsein erwachen.
Unglücklicherweise befinden wir uns in einer gefahrenträchtigen
Übergangsphase. Aber Krisen können auch die Evolution beschleunigen.
Vorraussetzung für das Entstehen des planetaren Bewusstseinsfeldes ist,
dass sich die mentale Einstellung des Menschen ändert. Der heutige
Mensch sieht sich als von der übrigen Welt getrenntes Selbst. Der
Philosoph und Theologe Alan Watts spricht vom „hautverkapselten Ich“.
Der Mensch unterscheidet klar zwischen „Ich“ und „Nicht-Ich“. Das
Gegenteil dieser Betrachtungsweise ist das Selbstbild der Mystiker und
Yogis: In Wirklichkeit gibt es nur ein kosmisches Selbst, das mit der
übrigen Schöpfung eins ist: Atman ist Brahman.
Die heutigen Probleme der Menschheit sind auf den Egoismus der
menschlichen Individuen zurückzuführen, welche den eigenen Vorteil über
das Gesamtwohl des Planeten stellen. Hier fordert Russell einen
Paradigmenwechsel. Der ist nur denkbar, wenn die Menschheit eine höhere
Bewusstseinsstufe erlangt.
Russell greift die Formulierung Lovelocks auf, der in der heutigen
Menschheit ein „planetares Krebsgeschwür“ sieht. Um den Krebs zu heilen,
muß sich Menschheit innerlich weiterentwickeln und erkennen, dass sie
mit der Schöpfung eins ist.
Als ein Mittel zur Erlangung des kosmischen Bewusstseins sieht Russell
die Meditation an. Durch Meditation soll der Mensch sein
„Ichbewusstsein“ auslöschen und das „kosmische Bewusstsein“ erlangen.
Da zunächst nur sehr wenige Menschen das kosmische Bewusstsein erlangen,
schlägt Russell vor, technische Methoden wie das Biofeedback
heranzuziehen bzw. zu entwickeln, um so das kosmische Bewusstsein
allmählich zu immer größerer Verbreitung zu bringen.
Russell hofft, dass mit einer steigenden Zahl der Menschen mit höherem
Bewusstsein immer mehr Normalmenschen sich anschließen werden. Russell
glaubt, dass schon eine kleinere Zahl von Menschen mit höherem
Bewusstsein auf irgendeine magische Art ihr Bewusstsein auf die übrigen
Menschen übertragen kann.
Hier begibt sich Russell dann auf das Gebiet der Parapsychologie und der
außersinnlichen Wahrnehmung und Telepathie. Er meint, dass zwei
Menschen, die gleichzeitig meditieren, sich gegenseitig unterstützen
können, eine tiefere Versenkung und einen höheren Bewusstseinszustand zu
erlangen. |
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Russell greift auf die Theorie des „morphogenetischen Feldes“ von Rupert
Sheldrake zurück (Rupert Sheldrake: „A New Science of Life“). Wenn
einmal auf der Welt etwas erschaffen oder entstanden ist, ist dadurch
ein morphogenetisches Feld entstanden, das es erleichtert, dass dieser
Vorgang auch irgendwo anders stattfindet. Wenn also einige Menschen das
kosmische Bewusstsein erreicht haben, wird es für andere Menschen
leichter sein, es ihnen nachzutun – dank des morphogenetischen Feldes.
Wenn die Zahl der Menschen, die das kosmische Bewusstsein erreicht
haben, eine bestimme „kritische Masse“ überschreitet, wird sich das
kosmische Bewusstsein sehr schnell allgemein ausbreiten – hofft Russell.
Russel macht bei dem planetaren Bewusstsein nicht halt. Die Erde wird
andere Planeten zum Erwachen bringen und es wird ein Superorganismus von
miteinander kommunizierenden und sich integrierenden Planeten entstehen,
die ein galaktisches und schließlich ein kosmisches Bewusstsein
entfalten.
Russells „Global Brain“ ist also letztlich ein System von Milliarden von
Menschen, die intensiv miteinander kommunizierend (möglicherweise auch
durch Telepathie) eine Art Supergehirn bilden. Der Übermensch ist nicht
der einzelne Mensch, sondern die gesamte Menschheit. Der einzelne Mensch
unterschiedet sich aber von dem heutigen Menschen dadurch, dass er das
planetare und kosmische Bewusstsein erlangt hat und deshalb nicht seine
egoistischen Interessen, sondern das Wohl der Gesamtheit in den
Vordergrund stellt.
Hier gehts zum Film:
The Global
Brain nach dem Buch von Peter Russel -Die erwachende Erde-
Quellen:
Jim E. Lovelock: „Unsere Erde wird überleben – GAIA – Eine optimistische
Ökologie“, aus dem Englischen übersetzt von Constanze Ifantis-Hemm,
Heyne-Buch Nr. 01/7246, erschienen 1982 im Piper-Verlag, ISBN
3-453-01913-X
Titel des Originals (erschienen 1979): GAIA – A New Look At Life On
Earth
Peter Russel: “Die erwachende Erde – unser nächster Evolutionssprung”,
aus dem Englischen übersetzt von Otto Wilck
Heyne Sachbuch Nr. 19/160, erschienen 1982 im Heyne-Verlag, München,
ISBN 3-453-05106-8
Titel der englischen Originalausgabe: „The Awaking Earth – The Global
Brain“
Andreas Giger: „Vom Chaos zur Ekstase“, erschienen 1990 im
Rowohlt-Taschenbuch-Verlag Hamburg, 1280-ISBN 3 499 18730 2
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