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Klarheit
ist das Ziel. Schmerz und Leid wird es immer geben, sie gehören
zum Leben. Man muss nur die Klarheit besitzen, alles im
richtigen Zusammenhang zu sehen, sehen, wohin alles gehört.
Dann ergibt sich aus allem eine Ordnung; sogar Schmerz und Leid
werden Teil einer größeren Harmonie. Nicht, dass sie
verschwinden; es gibt sie weiterhin, sie sind Teil des Lebens,
aber sie sind keine abgespalteten Erscheinungen mehr - sie
gehören zu einem größeren Ganzen.
Wenn deine Sicht der Dinge klar ist, dann siehst du, dass das
Ganze nicht ohne diesen Teil existieren kann, er wird gebraucht.
Du akzeptierst es, weil es das Glück nicht ohne das Unglück, und
den Tag nicht ohne die Nacht geben kann. Wenn man alles von
einem neuen Blickwinkel aus sieht, ändert sich die gesamte
Sichtweise.
Normalerweise glaubst du, dass ein Tag zwischen zwei Nächten
liegt. Wenn du ein wenig Klarheit hast, siehst du zwei Tage, mit
einer Nacht dazwischen.
Wenn man sein Unglück, seine Traurigkeit und Enttäuschungen
normalerweise betrachtet, löst man sie aus dem Zusammenhang und
sieht sie als isoliertes Geschehen, und dann sind sie sehr
schmerzhaft, weil sie vollkommen sinnlos erscheinen.
Der Schmerz an
sich ist sinnlos - warum gibt es ihn? Warum leidet man? und wenn
man nicht einsehen kann warum, ist er unerträglich. Wenn man
sehen kann warum, ist er keine isolierte Erscheinung mehr,
sondern ein Teil des gesamten Plans. Und in einem großen Gemälde
ist schwarz genauso notwendig wie weiß - sonst könnte es das
ganze Gemälde nicht geben. Unglück ist genauso notwendig wie
Glück. Sie sind wie zwei Flügel und wenn du das begriffen hast,
dann musst du sie benutzen, um in den Himmel zu fliegen. Dann
akzeptierst du Glück und Unglück und zwar in tiefer Dankbarkeit.
Dann kannst du sogar das Leid akzeptieren, weil du seinen Sinn
erkannt hast. es ist eine Stufe zu etwas Größerem, es ist Teil
einer größeren Harmonie. Leid ist nicht mehr isoliert, sondern
bedeutungsvoll.
Und wenn Leid sinnvoll geworden ist, dann bist du darüber
hinausgegangen. Es beunruhigt dich nicht mehr. Du willst es auch
nicht mehr loswerden, denn sonst würdest du zugleich auch alles
Schöne verlieren.
Du hast begriffen, daß eine Rose inmitten ihrer Dornen wächst,
und daß diese Dornen zu ihrem Wachstum gehören. Sie schützen die
Blüte. Die Dornen sind keine Feine, sie sind nicht gegen die
Blüte. Und wenn die ein Dorn manchmal Schmerzen bereitet, dann
nur, weil du seinen Sinn noch nicht erkannt hast. Man muss das
Leid nicht suchen, nicht nach den Dornen Ausschau halten, aber
wenn man sie findet, muß man sie akzeptieren. Laß alle Dinge
durch die Klarheit deines Blickes durchsichtig werden, und dann
kannst du sehen, daß eine Nacht von zwei Tagen umgeben ist.
Dadurch wird die Nacht immer heller und heller, sie wird zu
einer Brücke von einem Tag zum anderen. Die Nacht ist nicht mehr
gegen den Tag, sie ist vielmehr eine Ruhepause, aus der ein Tag
neu hervorgeht. Die Nacht ist wie ein Schoß, sie ist
schöpferisch. Die Dunkelheit ist schöpferisch und auch das Leid.
Wenn du einen Menschen triffst, der innerlich sehr reich ist,
wirst du immer feststellen, daß er sehr viel gelitten hat. Ein
Mensch, der nicht viel gelitten hat, ist seicht und
oberflächlich. Wenn er lacht, kommt sein Lachen nicht aus der
Tiefe, es ist nicht herzlich. Es ist wie aufgemalt, nur auf
seinen Lippen. Wenn du auf den Klang des Lachens hörst, kannst
du hören, daß es nur sehr oberflächlich ist. Es kommt nicht aus
seinem Bauch, hat keine Bedeutung und keine Tiefe.
Und immer wenn du jemanden triffst, der herzlich lachen kann,
dann denke daran, daß er auch herzzerreißend geweint hat - und
daß sein Lachen durch seine Tränen reicher geworden ist. Wenn du
richtig weinen kannst, dann kannst du auch richtig lachen.
Das ist Klarheit - das Leben so zu sehen wie es ist, und nichts
Unmögliches zu verlangen. Wenn du das Unmögliche verlangst, wenn
du nur die Tage haben willst und keine Nächte, nur Glück und
kein Unglück, dann erzeugst du sinnloses Leiden. es ist sinnlos,
weil du etwas Unmögliches forderst, das nicht erfüllt werden
kann. Das Leiden kommt also durch deine Dummheit; und dann
gehört es garnicht zum Leben, sondern hätte vermieden werden
können. Dieses Leid war nicht notwendig; es hätte sich vermeiden
lassen.
Leid, das du dir selbst zufügst, ist also sinnlos; und Leid, das
dir vom Leben auferlegt wird, ist sinnvoll. Wenn du jemanden
liebst, gehört auch Leid dazu. Wenn du lieben willst, musst du
bereit sein, viel zu leiden; hast du davor Angst, dann bekommst
du auch immer mehr Angst vor der Liebe selbst, bis du an einen
Punkt kommst, wo du nicht mehr leidest - du führst dann
vielleicht ein sehr angenehmes und bequemes Leben, aber du
versäumst alles Schöne im Leben, denn das erfährst du nur durch
Liebe ...
und Liebe kannst du nur erleben, wenn du auch Leid akzeptierst.
Das ist der Preis, den man dafür bezahlen muß. Nichts ist
kostenlos im Leben, für alles muß man bezahlen: und das ist gut
so, denn alles, was frei ist, verliert an Bedeutung und man kann
es nicht mehr genießen.
Nutze deine Klarheit, Probleme zu erkennen, aber versuche nicht,
etwas zu ändern, sondern akzeptiere alles so wie es ist. Werde
immer klarer - das ist die einzige Veränderung, die möglich ist,
die einzige Entwicklung. Laß dich höher von dieser Woge der
Klarheit und Bewußtheit tragen. Wenn du höher aufsteigst,
gelangt eine andere Welt in dein Blickfeld. Die Welt bleibt zwar
dieselbe, aber durch dein klares Auge siehst du die Welt in
einem anderen Licht und allmählich fügt sich alles zusammen.
Eines Tages erkennst du dann, daß alles so ist, wie es sein
soll. Das ist die Vollkommenheit der Klarheit - alles ist so,
wie es sein soll, nichts fehlt, alles ist vollkommen. Diese Welt
ist eine vollkommene Welt.
In einem solchen Moment ist deine Bejahung total, und wenn dein
Ja total ist, sind alle Wunden geheilt.
Du wirst so ruhig wie ein Buddha, so unschuldig wie ein Jesus
oder so wunderbar vollkommen wie Lao Tse - gewöhnlich und doch
ganz außergewöhnlich. Man lebt dasselbe Leben und doch ein ganz
anderes - es hat eine andere Melodie. Nutze also diese Klarheit,
hm? Genieße sie, freue dich darüber.
-Osho-
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