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Frage:
Osho, ich habe gehört, daß hinter jedem der so genannten großen
Männer wie Julius Cäsar oder Napoleon, ja sogar hinter einem
wirklich großen Mann wie Sokrates, eine Frau das wirkliche Sagen
hatte. Bei meiner Frauenverehrung habe ich es noch jedesmal
fertiggebracht, mich zum Narren einer Frau zu machen. Was ist
dein Geheimnis? Du hast den Frauen mehr Verantwortung in die
Hand gegeben, als eigentlich möglich ist, und bist doch frei
geblieben und wirst von ihnen allen geliebt.
Antwort:
Die so genannten großen Männer, Julius Cäsar, Alexander der
Große, Napoleon, wurden ganz sicher von Frauen getrieben. Sie
haben versucht, sich vor ihnen zu beweisen.
Frauen haben einen ganz besonderen Zug an sich: Sie sind in
gewisser Weise mit kleinen Dingen zufrieden, denn weil sie
Frauen sind, haben sie die natürliche Fähigkeit, Kinder zur Welt
zu bringen. So wird ihr Verlangen nach Kreativität erfüllt, sie
werden auf ganz natürliche, biologische Art zum Schöpfer. In
dieser Beziehung fühlt sich der Mann unausgefüllt. Er kann keine
Kinder zur Welt bringen. Etwas schmerzt ihn innerlich, so etwas
wie ein leerer Schoß. Er möchte den Frauen zeigen, besonders der
Frau, die er liebt: "Auch ich kann etwas zur Welt beitragen, zu
ihrer Schönheit, zu ihrer Kraft, zu ihrer Kunst, zu ihrer Musik,
zu ihrem Tanz. Ich kann es dir beweisen!"
Das ist ein ganz unbewußtes Verlangen in jedem Mann, etwas zu
beweisen. Und sobald ein Mann sich in eine Frau verliebt, wird
daraus eine Frage von vorrangiger Bedeutung. Er fängt an, sich
zu beweisen, indem er mehr Geld verdient, indem er Präsident
oder Bundeskanzler wird, indem er die Welt erobert. Aber was er
auch versucht, alles bleibt ungenügend. Er kann es mit der Frau
nicht aufnehmen. Sie ist so abgerundet, so ganz in ihrer Mitte,
so auf dem Boden, daß der Mann bis ans Ende der Welt rennen kann
und immer noch keinen rechten Boden unter den Füßen hat. Er kann
auf den Mount Everest steigen, er kann zum Mond fliegen, er kann
die Welt beherrschen, er kann die größten wissenschaftlichen
Geheimnisse entdecken, er kann Kriege führen, er kann das
Unbekannte erforschen, aber wo er auch ist, immer wird er
merken, daß ihm etwas fehlt. Dieses fehlende Element ist
biologisch.
Die Frau ist biologisch ausgeglichen, ihre Körperchemie ist im
Gleichgewicht. Die Biologie des Mannes ist ein bißchen
unausgeglichen: der eine Teil ist schwerer, und der andere Teil
ein bißchen leichter, und das erzeugt eine innere Spannung in
ihm. Deshalb werden mehr Männer als Frauen verrückt, begehen
mehr Männer als Frauen Selbstmord, werden mehr Männer als Frauen
zu Mördern. Und wenn du dir die Welt betrachtest, kannst du
sehen, daß die Männer sie nur deshalb beherrschen, weil die
Frauen kein Interesse am Herrschen haben. Sie haben es nicht
nötig, sie fühlen tief in ihrem Inneren eine Art Erfüllung. Der
Mann ist immer in Eile, will immer irgendwo hin, ist immer auf
dem Sprung. Alle Männer sind Amerikaner, amerikanische
Touristen! Sie können nicht hier und jetzt sein.
Und das fängt sogar schon im Mutterleib an. Eine erfahrene
Mutter, die schon ein oder zwei Kinder geboren hat, weiß nach
einigen Monaten ganz genau, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen
im Schoß trägt. Der Junge fängt an zu strampeln, er fängt an,
ein Alexander der Große zu werden! Das Mädchen bleibt ruhig,
zufrieden, meditativ. Sie macht nicht so viel Wirbel.
Daher kommt es, daß die Frau so leicht vom Mann beherrscht wird.
Es liegt nicht an der Überlegenheit des Mannes, es liegt nicht
an seiner Kraft, daß er die Frau dominieren konnte, genau das
Gegenteil ist der Fall. Die Frau ist in vieler Hinsicht
überlegen, und weil der Mann an seiner Unterlegenheit leidet,
mußte er die Frau dominieren, nur so konnte er seine
Unterlegenheit ein bißchen mildern.
Der Mann hat die gesamte Geschichte beherrscht, er hat auf jede
erdenkliche Art versucht, die Frau zu versklaven. Aber er hat
keinen Erfolg damit gehabt. Oberflächlich betrachtet mag es
vielleicht so aussehen, als hätte er es geschafft, aber jeder
Ehemann weiß ganz genau, daß er von dem Moment an, wo er zur
Haustür hereinkommt, nicht mehr der starke Löwe ist, den er
draußen vortäuscht. Er wird plötzlich zum Hund, zum armen Hund,
den Schwanz zwischen die Beine eingeklemmt! Wenn er das Haus
verläßt, geht er wie ein Gewittersturm, wenn er heimkommt, ist
die ganze Luft raus. Er tritt irgendwie ängstlich ein, zitternd,
und fängt an, die gleiche Zeitung zu lesen, die er schon den
ganzen Tag gelesen hat, nur um seiner Frau aus dem Weg zu gehen.
Seine Zeitung ist eine Art Vorhang. Eine kleine Frau genügt, um
auch den größten Mann auf den Boden zu zwingen. Frauen haben
psychologische Kraft.
Du fragst mich: Ich habe gehört, daß hinter jedem der so
genannten großen Männer wie Julius Cäsar oder Napoleon, ja
selbst hinter einem wirklich großen Mann wie Sokrates, eine Frau
das wirkliche Sagen hatte.
Das stimmt. Bei den so genannten großen Männern stimmt es, weil
sie nur darum groß werden wollten, um es mit ihren Frauen
aufnehmen zu können. Und für die wirklich großen Männer wie
Sokrates stimmt es auch.
Ein junger Mann fragte Sokrates: "Ich überlege mir, ob ich
heiraten soll. Was rätst du mir?" Er hatte alle Geschichten über
Sokrates und seine Frau Xanthippe gehört. Sie muß wirklich eine
gefährliche Frau gewesen sein, eine Amazone. Sie pflegte
Sokrates zu verprügeln. Einmal überschüttete sie ihn mit heißem
Wasser, mit kochendem Wasser. Sie kochte Wasser, um Tee zu
machen, wurde wütend und schüttete es Sokrates ins Gesicht.
Sokrates war ein häßlicher Mann, sehr häßlich, mit Boxernase,
kein erbaulicher Anblick, abstoßend. Xanthippe machte ihn noch
häßlicher. Seine eine Gesichtshälfte blieb sein ganzes Leben
lang eine Brandnarbe.
Der junge Mann war daher mit seiner Frage an den richtigen Mann
geraten: "Mehr als jeder andere Mann in Athen hast du erfahren
müssen, was es heißt, ein Ehemann zu sein, und ganz Athen ist
voll von Geschichten über dich und deine Frau, und trotzdem hat
dich das Orakel von Delphi zum weisesten Mann erklärt. Deshalb
bin ich gekommen, um dich zu fragen, ich bin im Zweifel, soll
ich heiraten oder nicht?" Sokrates sagte: "Heirate." Der junge
Mann traute seinen Ohren nicht, eine solche Antwort hatte er
nicht erwartet. Er fragte: "Und das sagst du nach all deinen
Erfahrungen mit Xanthippe zur Frau?" Er antwortete: "Ja. Wenn du
eine gute Frau heiratest, wird sie dich erfolgreich machen im
Leben, sie wird deinen Ehrgeiz anstacheln. Und du bist jung, du
brauchst ein bißchen Ehrgeiz. Wenn du aber eine Frau wie meine
bekommst, dann wirst du Philosoph. Meine Frau hat mir ungeheuer
geholfen, die Kunst zu lernen, mich nicht aus dem Gleichgewicht
bringen zu lassen. Was immer kommt, Erfolg oder Mißerfolg, Glück
oder Unglück, für mich ist es das gleiche. Sie hat mich ins
Gleichgewicht gebracht. In beiden Fällen wirst du nichts
verlieren, also heirate!"
Die Möglichkeit besteht, es ist sogar äußerst wahrscheinlich,
daß Buddhas Erleuchtung allein seiner Frau Yashodara zu
verdanken ist. Daß Mohammed erleuchtet wurde, kann nur an seinen
neun Frauen liegen.
Es ist äußerst wahrscheinlich, daß diese Leute irgendwie
versucht haben, ungestört zu bleiben, und so fingen sie an, nach
dem Jenseitigen zu suchen, fingen sie an, nach dem Innern zu
suchen, nach dem Jenseitigen in ihrem Innern, damit sie die
ganze Welt vergessen konnten. In Gestalt der Ehefrau, der Frau
überhaupt, rückt dir die Welt wirklich am nächsten: sie hüllt
dich von allen Seiten ein, in jeder Ecke, in jedem
Schlupfwinkel. Also sind all eure angeblich großen Männer den
Frauen zu Dank verpflichtet, und viele der wirklich großen
Männer sind gleichfalls den Frauen zu Dank verpflichtet, obwohl
sie das nie zugegeben haben. Das ist nicht schön von ihnen.
Oft werde ich gefragt, warum Frauen nicht erleuchtet werden. Der
Grund ist, kein Mann ist in der Lage, sie in dieses Extrem zu
treiben. Es hat nichts damit zu tun, daß sie Frauen sind, es
liegt einfach an der Schwäche des Mannes, er kann sie nicht so
weit treiben. Außerdem stehen Frauen immer mit beiden Beinen auf
der Erde und ruhen in sich, während die Männer nicht geerdet und
nicht zentriert sind. Sie leben in Luftschlössern und brauchen
Erdung, brauchen Zentrierung.
Du sagst: "Bei meiner Frauenverehrung habe ich es noch jedesmal
fertiggebracht, mich zum Narren einer Frau zu machen."
Wenn du ein Frauenverehrer bist, machst du dich unweigerlich zum
Narren einer Frau, denn Bewunderung ist illusorisch, Verehrung
ist nur aus der Entfernung möglich. Je näher du kommst, desto
mehr siehst du aus wie ein Narr, und wenn dich schließlich eine
Frau schnappt, wird unweigerlich ein verdammter Narr aus dir.
Und du hast es so sehr darauf angelegt, geschnappt zu werden,
daß du nicht wieder so leicht entkommen wirst.
Eine Mausefalle rennt nie hinter der Maus her, eine Mausefalle
sitzt einfach da, zentriert, geerdet. Die Maus in ihrer
romantischen Schwärmerei träumt davon, wie gemütlich es doch
drinnen in der Mausefalle ist, das Essen da drin riecht so gut,
Spaghetti und so, und wird geschnappt. Es ist sehr leicht, sich
schnappen zu lassen, und es ist sehr schwer, wieder
herauszukommen, denn die Mausefalle hat nur einen Eingang und
keinen Ausgang.
Deshalb wird es wieder und wieder passieren! Ich bin kein
Verehrer der Frau, ich bin kein Romantiker, ich stehe auf dem
Boden der Tatsachen. Alles, was ich über Männer oder Frauen
sage, sind reine Fakten, nichts daran ist Fiktion. Und sitzt du
erst einmal in der Falle, dann hast du ständig Probleme, denn
überall siehst du andere Mausefallen, die noch gemütlicher sind,
noch wärmer, noch schöner, mit noch verlockenderen Speisen.
Tatsächlich ist das Wort Gemahlin nur die weibliche Form von
Mahlzeit. Aber die Ehe ist eine ganz merkwürdige Mahlzeit: erst
wird der leckere Nachtisch serviert, und der Rest geht in den
Eimer.
Du fragst mich: Was ist dein Geheimnis? In meinem Leben gibt es
kein Geheimnis, oder du kannst es das offene Geheimnis nennen.
Ich verberge nichts. Ich lebe nicht wie eine Faust, ich lebe wie
eine offene Hand. Nichts ist verborgen, nichts ist esoterisch,
nichts ist ein Geheimnis. Alles ist einfach und klar.
Du sagst: Du hast den Frauen mehr Verantwortung in die Hand
gegeben, als eigentlich möglich ist, und bist doch frei
geblieben und wirst von ihnen allen geliebt.
Das offene Geheimnis besteht darin, daß du nur frei sein kannst,
wenn du zu viele Frauen um dich herum hast. Dann sind sie so
miteinander beschäftigt, daß sie dich vollkommmen in Ruhe
lassen, ja, sie vergessen dich überhaupt! Ihre Eifersüchteleien
und neidischen Blicke genügen, um sie beschäftigt zu halten.
Wenn man sich wirklich die Frauen vom Hals halten will, dann ist
das die einzige Möglichkeit. Das ist mein offenes Geheimnis.
Und sie lieben mich aus dem einfachen Grund, weil ich von
niemandem besessen werde und weil auch ich niemanden besitze.
Wenn du eine Frau besitzt, kommen Schwierigkeiten, wenn du von
einer Frau besessen wirst, kommen Schwierigkeiten. Ich besitze
niemanden, ich werde von niemandem besessen. Ich sitze nur da
und mach mein Ding, nämlich nichts, und ich lasse die Frauen im
Kreis herumlaufen. Und sie haben so viele Probleme, daß es ihnen
nicht schwer fällt, mich ganz zu vergessen.
Und du sagst: Du hast den Frauen mehr Verantwortung in die Hand
gegeben, als eigentlich möglich ist. Nein, du kennst die Grenze
nicht. Selbst der weite Himmel ist nicht die Grenze. Ich werde
so vielen Frauen Verantwortung geben, daß ihr, wenn ich sterbe,
Jahre brauchen werdet, um überhaupt zu merken: Der Mann ist ja
gar nicht mehr da! Sie werden einen solchen Wirbel machen, vor
lauter Tanz und Liebe und allen möglichen Dummheiten, daß ihr
nicht einmal wissen werdet, ob ich noch da bin oder nicht.
Und ich habe sie an die Spitze gesetzt, weil sie pragmatischer
sind als die Männer, sie können es besser mit der Wirklichkeit
aufnehmen, sie sind erdverbunden. Der Mann schaut mehr zum
Himmel hinauf, und die Frau ist fest in der Erde verwurzelt. Das
ganze ist ein äußerst pragmatisches Arrangement.
Wenn die Frauen die Kontrolle über die ganze Erde hätten, würde
es lange nicht so viel Unsinn auf der Welt geben. Zum Beispiel
würden alle Kriege verschwinden. Natürlich gäbe es dann viel
mehr und viel schönere Kleider, Modenschauen, Modelle! Aber
Waffen, Atombomben, Wasserstoffbomben usw. würden verschwinden.
Keine Frau interessiert sich für so etwas. Hiroshima und
Nagasaki könnten nicht wieder passieren. Nur die Männer können
so etwas tun, Kreuzzüge würde es nicht mehr geben,
Religionskriege würde es nicht mehr geben, "Heilige Kriege"
würde es nicht mehr geben. Keine Frau interessiert so etwas.
Ihre Interessen sind sehr praktisch, real. Sie interessiert sich
mehr für Kleider, Kosmetik, Schönheit. Und solche Interessen
haben etwas Wunderschönes. Sie erhalten euch lebendig.
Die Interessen der Männer sind sehr gefährlich, politisch,
religiös, ökonomisch. Überall richten sie immer mehr Schaden an.
Im Namen des Dienstes am Menschen wird mehr Schaden angerichtet
als aus irgendeinem anderen Grund. In dreitausend Jahren sind
fünftausend Kriege geführt worden, und das ist allein der
Verdienst des Mannes. Millionen Menschen sind ermordet worden,
im Namen der Demokratie, im Namen der Freiheit. Im Namen der
Liebe! Nun, Frauen bringen so etwas nicht fertig. Und ich glaube
nicht, daß es über Kosmetik, über Kleider, über Mode, über
Theateraufführungen und neue Rezepte zum Weltkrieg kommen wird,
solcher Sachen wegen kann es zu keinem Weltkrieg kommen.
Ich möchte, daß meine Kommune sehr erdverbunden ist. Ein Baum
muß erst so tief wie möglich in die Erde dringen, denn je tiefer
die Wurzeln gehen, desto höher kann er wachsen. Wenn du mit
deinen Blüten die Sterne berühren möchtest, dann mußt du bis zum
tiefsten Grund der Erde vordringen.
Alle Religionen der Welt sind ein bißchen vage, ein bißchen wirr
geblieben, aus dem einfachen Grund, daß sie alle nach den
Sternen gegriffen haben, nach dem Jenseitigen, dem Fernsten,
ohne je an die Wurzeln zu denken.
Buddha war gegen Frauen, er wollte anfangs keine Frauen
initiieren. Er sagte, daß seine Religion fünftausend Jahre hätte
leben können; weil er aber schließlich doch nachgegeben und auch
Frauen initiiert habe, werde seine Religion schon nach
fünfhundert Jahren erlöschen.
Ich habe genau das Gegenteil beobachtet: Ohne Frauen hätte sie
noch nicht einmal fünfhundert Jahre gedauert, denn sofort nach
Buddhas Tod fingen die Männer zu streiten an, ideologische
Kämpfe! Zweiunddreißig Sekten entstanden auf der Stelle, noch am
selben Tag! Buddhas Leichnam war noch nicht ganz verbrannt, da
entstanden schon zweiunddreißig philosophische Schulen,
zweiunddreißig Versionen. Der Krieg hatte begonnen.
Als Jesus gekreuzigt wurde, waren jene zwölf Dummköpfe allesamt
verschwunden. Drei Frauen nahmen seinen Leichnam vom Kreuz, kein
einziger Mann war darunter. Da war Maria Magdalena, die
Prostituierte, da war ihre Schwester Martha, und da war seine
Mutter Maria. Und all die Apostel, all diese Fanatiker, wo waren
sie? Sie bereiteten sich auf den Vatikan vor, sie stellten sich
auf die Zukunft ein. Jesus war erledigt! Jetzt war die
Theologie, die Philosophie, die Ideologie dran.
Aber diese drei Frauen kümmerten sich nicht um Ideologie, um
Theologie oder Philosophie. Sie kümmerten sich um seinen
Leichnam. Sie waren praktischer, sie waren wahrer, ehrlicher,
aufrichtiger. Sie liebten diesen Mann, sie riskierten ihr Leben
für diesen Mann, sie hätten sich verurteilen lassen. All diese
Männer hatten sich verdrückt.
Einer der gebildetsten unter seinen Jüngern war Judas. Er
verriet ihn für dreißig Silberlinge. Keine Frau hätte das getan.
Und er war der intellektuellste unter den Jüngern von Jesus.
Aber Intellektuelle können leicht betrügen. Sie sind die besten
Renegaten der Welt, weil sie nicht mit dem Herzen dabei sind,
nur mit dem Kopf, und der Kopf ist schlau, der Kopf ist klug.
Eine Frau lebt durch das Herz.
Deswegen geht meine Kommune auf eine völlig neue Art und Weise
vor. Zuerst muß sie Wurzeln schlagen. So arbeiten alle Gärtner.
Erst mußt du Muttererde geben, düngen, die Pflanze Wurzeln
schlagen lassen. Die Blüten kommen dann von allein. Die Blüten
kommen schon, nur können sie nicht ohne Wurzeln kommen.
Wurzeln und Blüten sind wie zwei Flügel. Wenn du beide Schwingen
hast, gehört dir der ganze Himmel. Aber das Wichtigste, das
erste, das Grundlegende, das Fundamentale, ist die Wurzel.
Die Frau ist die Wurzel allen Lebens, der Mann kann höchstens
ein Zweig sein, ein blühender Zweig, ein wunderschöner Zweig,
ein Sehnen, ein Streben nach den Sternen hinauf. Sie müssen
zusammengehen. Aus diesem Grund habe ich so viele Frauen
eingesetzt, und nach und nach werden sie den ganzen Boden
übernehmen und euch freigeben, euch Männer freigeben, eure
Blüten zu entfalten.
In einer wahren Kommune werden Männer und Frauen tief synchron
miteinander leben. All die früheren Gemeinschaften mußten
sterben, weil sie sich nur auf Männer verließen. Sie haben sich
nie wirklich um die Frauen gekümmert. Und kaum eine Frau ist
fähig, eine Gemeinschaft zu gründen, weil sie nicht nach den
Sternen greift.
Eine Kommune ist eine Hoffnung, eine Sehnsucht, ein gewaltiges
Verlangen nach Wachstum, ein gewaltiger Drang zu forschen. Keine
Frau könnte einen Grund erkennen, wieso sie den Grundstein zu
einer Kommune legen sollte. Der Mann ist immer am
Weitentferntesten interessiert, deshalb ist er die Quelle aller
Kommunen. Aber kein Mann ist fähig, ihr auch Wurzeln zu geben.
Und das ist in der Vergangenheit immer das Problem gewesen: die
Frau kann Wurzeln geben, aber sie interessiert sich nicht für
Blüten, und der Mann kann Blüten geben, aber er interessiert
sich nicht für Wurzeln. Ein tiefes Miteinander ist notwendig,
eine tiefe Harmonie. Genau das ist es, was ich hier zu erfüllen
versuche.
Fest entschlossen, ein Etablissement zu gründen, wo wirklich
jeder Kunde genau das Mädchen finden würde, das er schon immer
gesucht hatte, gelang es einer unternehmerischen Bordellmutter
tatsächlich, ein solches Haus, drei Stockwerke hoch, ins Leben
zu rufen. Da gab es Ex-Sekretärinnen, ausgesucht tüchtig. Sie
hatten den ersten Stock. Da gab es Ex-Fotomodelle im zweiten
Stock, ausgewählte Schönheiten. Und schließlich im dritten Stock
die Ex-Lehrerinnen, die Intelligentesten der Intelligenten. Nach
einiger Zeit konnte Madame feststellen, daß sich fast das ganze
Geschäft im dritten Stock abspielte. Sie fragte sich lange, was
wohl der Grund sein mochte, bis schließlich einer der
Stammkunden das Rätsel löste: "Sehen Sie, Madame", sagte der
gute Kunde: "Sie wissen doch, wie Lehrerinnen sind: Sie lassen
dich so lange wiederholen, bis du's richtig machst."
Sannyasin-Frauen machen ihre Sache wirklich sehr gut. Und sie
werden dich die Lektion so oft wiederholen lassen, bis du es
richtig machst!
-Osho-
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