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Gestern
hörte ich einen Vortrag. Es ging um "Selbstbeherrschung". Die gängige
Tradition verlangt, dass man alle Menschen lieben, sich selbst aber
hassen muss.
Man muss sich selbst feind werden, nur dann kann man sich selbst
vielleicht überwinden.
Diese Vorstellung ist zwar sehr populär, jedoch grundfalsch. Durch diese
Methode spaltet sich die Persönlichkeit auf, und so beginnt Gewalt gegen
sich selbst. Und Gewalt macht alles häßlich.
Der Mensch braucht seine Leidenschaften nicht auf diese Weise zu
unterdrücken - das ist sowieso unmöglich.
Gewalt ist nicht der Weg der Religion. Aufgrund dieser Irrmeinung haben
sich viele Methoden entwickelt, um den Körper zu mißhandeln. Diese
Tortur sieht wie Buße aus, ist aber ein sadistisches Vergnügen an
Gewalt, Unterdrückung und Widerstand.
Das ist nicht Buße sondern Selbsttäuschung.
Der Mensch soll nicht mit sich selbst kämpfen, er soll sich selbst
kennen.
Aber um sich zu kennen, muss man beginnen, sich zu lieben.
Man muss sich auf die richtige Art und Weise lieben. Ein Mensch, der
blindlings seinen Leidenschaften folgt, liebt sich nicht, ebensowenig
wie ein Mensch, der blindlings gegen sie ankämpft. Sie sind beide blind.
Die zweite Blindheit entsteht als Reaktion auf die erste. Der eine
ruiniert sich, indem er seinen Leidenschaften frönt, der andere, indem
er dagegen ankämpft. Beide sind sie voller Haß gegen sich selbst.
Wissen beginnt damit, daß man sich selbst liebt. Alles, was ich bin,
muss ich akzeptieren, muss ich lieben. Nur in diesem Akzeptieren und in
dieser Liebe gelangt man zu dem Licht, das alles auf natürliche Weise
transformiert. Und eine neue Schönheit entfaltet sich im Menschen - eine
Musik, ein Friede, eine Seligkeit. Ihre integrierte Wirkung nennt man
ein spirituelles Leben.
-Osho-
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